Liebe Bildungstreiker_innen,
der Dachverband Archäologischer Studierendenvertretungen (DASV e.V.) als Interessensvertretung von fast 6000 Studierenden der Archäologie in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterstützt die studentische Protestbewegung.
Die archäologischen Fächer als eher kleine geisteswissenschaftliche Lehrstühle sind im Verbandsgebiet seit jeher von wirtschaftlichen Zwängen bedroht, die Situation hat sich mit der Bologna-Reform noch verstärkt. Zu wenig Lehrpersonal muss viel zu viele Studierende betreuen. Folgen sind verschulte Lehrpläne und in manchen Fällen haarsträubende Prüfungsüberlastung der Studierenden. Besonders im Bereich Mobilität, der für Archäologie-Studierende in ihrem Studium einen zentralen Bestandteil ausmacht, liegen die Dinge im Argen. Nicht einmal innerhalb einer Stadt, wie z.B. Berlin, werden Lehrveranstaltungen, die an verschiedenen Universitäten belegt wurden, für die neuen BA-Studiengängen angerechnet.
Wir treten gemeinsam mit der protestierenden Studentenschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz, für mehr Mitspracherecht an den Universitäten ein, damit die Studierenden in Zukunft frühzeitig auf Fehlentwicklungen im Bildungswesen hinweisen und diese verhindert werden können. Ebenso unterstützen wir die Forderung nach einer Aufstockung des Lehrpersonals, wenn Milliarden für die Fehlspekulationen von Topmanagern bereit gestellt werden können, dann ist es zynisch, im Bildungswesen sparen zu wollen.
Selbst aus dem Studierendenstreik von 2003/04 hervorgegangen, setzt der DASV e.V. sich für eine Verbesserung der Lern- und Lehrstrukturen an den Universitäten in Deutschland, Österreichs und der Schweiz ein und versuchen entgegen jedem Sparzwang das archäologische Fächerspektrum zu erhalten.
Des Weiteren betreiben wir neben aktiver Hochschulpolitik auch aktive Berufspolitik für die Archäologie im Verbandsgebiet. Denn wie alle Student_innen sorgen auch wir uns darum, nach unserem Studium einen Job zu bekommen. Schon für Absolvent_innen mit dem alten Magister-Abschluss ist es ohne Promotion schwer eine Anstellung im archäologischen Arbeitsfeld zu finden. Für die neuen Bachelor- und Master-Absolventinnen gibt es aber erst recht keine Aussichten auf Arbeitsplätze in der Archäologie.
Deshalb hat unser Regionalverband Ost im letzten November die Idee entwickelt, den Studierenden eine Plattform zu bieten, auf der sie sich mit in der Archäologie Tätigen über ihre berufliche Zukunft austauschen können. Aus dieser Idee entwickelte sich das Konzept einer Berufsmesse mit Ständen und begleitendem Vortragsprogramm – einer Veranstaltung, die es in der Archäologie im Raum Deutschland, Österreich und der Schweiz noch nicht gegeben hat. Ein schier unmögliches Projekt, das allein von Studierenden entwickelt, vorbereitet und vom 20. bis 22. November unter dem Namen „archaeoworks – Archäologische Berufswelten“ an der Freien Universität Berlin veranstaltet werden wird.
Durch archaeoworks wollen wir jene, die bereits neue Konzepte zur Schaffung von Arbeitsstellen gefunden haben, mit Studierenden ins Gespräch bringen, da wir den Eindruck haben, dass viele Arbeitgeber_innen in der Archäologie von den Problemen der Studierenden besonders in den neuen Studiengängen wenig mitbekommen. Wir versuchen mit der Veranstaltung der Berufsmesse auch die archäologische Arbeitswelt darauf aufmerksam zu machen, dass sie sich für die vielen auf andere Weise ausgebildeten Absolvent_innen (die zahlenmäßig sehr starken Abschlussjahrgänge kommen ja erst in den nächsten Jahren) etwas Neues überlegen müssen.
Gegen all unsere Erwartungen wird unser Angebot von beiden Seiten sehr begrüßt. Eine Woche vor der Messe haben sich bereits 650 Studierende aus dem gesamten Verbandsgebiet zu archaeoworks angemeldet. Dazu haben auch 38 archäologische Arbeitgeber_innen fest zugesagt, einen Stand für die Studierenden zu gestalten und mit diesen in direkte Diskussion zu treten. Da unsere Vorträge bei dieser Menge an Leuten aus allen Nähten platzen werden, sind wir darauf angewiesen die größten Hörsäle der FU für archaeoworks zu bespielen. Im Bereich des Durchgangs zwischen Rost- und Silberlaube und Mensa II hatten wir geplant die Anmeldung für die angereisten Studierenden durchzuführen, was bei dieser großen Teilnehmerzahl eine besondere Herausforderung ist.
Wir bitten euch, da wir selbst Studierende sind: Wir möchten euch für euren Einsatz im Kampf für offenere und gerechtere Hochschulen, der unser aller Kampf ist, herzlich danken! Wir bewundern die Aktion, die ihr bundesweit, in Österreich und nun auch der Schweiz möglich gemacht habt. Eine so gute Organisation und weite Vernetzung ist wirklich großartig! Mit archaeoworks haben auch wir es geschafft fast 1000 Studierende miteinander zu vernetzen. Eine Gruppe Studierender von 15 bis 20 Leuten verbringen seit einem Jahr ihre gesamte Zeit neben Studium, Nebenjobs und zum Teil kleinen Kindern ehrenamtlich mit der Vorbereitung von archaeoworks. Für einige von uns hat sich dadurch unsere Studienzeit um einen nicht unerheblichen Zeitraum verlängert. Wir bitten euch daher für die Zeit vom 20. bis zum 22. November unsere Veranstaltung an der FU Berlin zu unterstützen. Wir benötigen den Hörsaal 1A für unsere Vorträge am Samstag und Sonntag dringend und unsere Anmeldung würden wir gerne im Bereich vor diesem Hörsaal durchführen. Wir ersuchen eure Unterstützung für unser studentisches Projekt, dass unseren gesamten Verein und besonders das Organisationsteam in Berlin über ein Jahr sehr viel Zeit, Mühe und Nerven gekostet hat. Bitte lasst unsere Anstrengungen etwas Neues auf dem Gebiet der Archäologie zu schaffen nicht umsonst gewesen sein!
Mit freundlichen Grüßen,
Peter Lochmann
(Vorsitzender des DASV e.V. i.A. des Vorstandes und des Beirats)